Mutismus

Habt ihr schon einmal durch eine heftige Erkältung eine Weile eure Stimme verloren? Ihr möchtet einen Termin bei einer Ärztin abmachen, damit sie sich die Sache ansieht. Terminvereinbarung, so steht es auf der Webseite, bitte telefonisch. Sehr witzig. Ihr würdet nur zu gerne anrufen, aber ihr bekommt keinen Pieps heraus. Für einmal ist das mühsam, aber es krempelt euer Leben nicht tiefgreifend um. Ihr findet eine Lösung für euer Problem. Vielleicht schreibt ihr eine E-Mail, bittet euren Partner oder eure Partnerin, anzurufen oder notiert euer Anliegen und geht in die Praxis, um vor Ort einen Termin zu vereinbaren.

Kardinalsymptom des selektiven Mutismus

Menschen mit Selektivem Mutismus erleben jeden Tag, dass sie in einigen Situationen und mit einigen Menschen oder bei einigen Aktivitäten nicht sprechen können, obwohl sie es möchten. Das gilt ganz besonders für Situationen, in denen Sprechen erwartet wird: Im Kindergarten, in der Schule, beim Zahnarzt, im Sportverein, auf Familienfesten, auf dem Spielplatz, auf Kindergeburtstagen, im Restaurant, wenn jemand einen grüßt, wenn man sich bedanken oder entschuldigen will. Die Liste hat kein Ende. Wir sind Menschen und uns ist es angeboren, immerzu und in allen Lebenslagen über das Sprechen miteinander Beziehungen einzugehen, in Kontakt zu treten.

Wie fühlt sich

selektiver Mutismus an?

Habt ihr schon einmal durch eine heftige Erkältung eine Weile eure Stimme verloren? Ihr möchtet einen Termin bei einer Ärztin abmachen, damit sie sich die Sache ansieht. Terminvereinbarung, so steht es auf der Webseite, bitte telefonisch. Sehr witzig. Ihr würdet nur zu gerne anrufen, aber ihr bekommt keinen Pieps heraus. Für einmal ist das mühsam, aber es krempelt euer Leben nicht tiefgreifend um. Ihr findet eine Lösung für euer Problem. Vielleicht schreibt ihr eine E-Mail, bittet euren Partner oder eure Partnerin, anzurufen oder notiert euer Anliegen und geht in die Praxis, um vor Ort einen Termin zu vereinbaren.

Kardinalsymptom des selektiven Mutismus

Menschen mit Selektivem Mutismus erleben jeden Tag, dass sie in einigen Situationen und mit einigen Menschen oder bei einigen Aktivitäten nicht sprechen können, obwohl sie es möchten. Das gilt ganz besonders für Situationen, in denen Sprechen erwartet wird: Im Kindergarten, in der Schule, beim Zahnarzt, im Sportverein, auf Familienfesten, auf dem Spielplatz, auf Kindergeburtstagen, im Restaurant, wenn jemand einen grüßt, wenn man sich bedanken oder entschuldigen will. Die Liste hat kein Ende. Wir sind Menschen und uns ist es angeboren, immerzu und in allen Lebenslagen über das Sprechen miteinander Beziehungen einzugehen, in Kontakt zu treten.

Der selektive Mutismus aber macht das unmöglich. Er bewirkt eine gravierende Sprechblockade und kann dabei nicht nur die verbale, sondern auch die nonverbale Kommunikation erschweren: Im Kopf hat der Drittklässler die Antwort sofort parat, wenn die Lehrperson fragt, was 7 mal 7 gibt. Aber die Hand, um sich zu melden, liegt betonschwer auf dem Tisch, der Blick sinkt zu Boden, das Gesicht sieht aus wie eine gefühlsentleerte Maske, die Lippen fühlen sich an wie zugenäht. Die Lehrperson wartet kurz und lässt dann ein anderes Kind die Frage beantworten. Wer kein Wort herausbekommt, lernt, ohne Worte zu kommunizieren. Und so kann das Kind mit selektivem Mutismus die Zahl 49 vielleicht aufschreiben und dem Lehrer zeigen. Vielleicht geht aber auch das nicht und das Kind sitzt stumm und starr am Pult, tagein, tagaus, jahrelang. Zuhause aber ist dasselbe Kind in der Regel eine Plaudertasche. Das Universum dieses Kindes zerfällt in zwei Welten – in einer kann es sprechen, in der anderen nicht. Eine altersgemäße soziale, emotionale und akademische Entwicklung ist für diese Kinder gefährdet. Wer im Dauerstress ist, lernt nicht gut, wer nichts sagen kann, bleibt auf seinen Lernfragen hocken, soziales Lernen in Gruppen ist oft nicht möglich, Freundschaften können nicht geknüpft oder gehalten werden. Spätestens im Jugendalter sind andere Kinder immer weniger tolerant und binden das schweigende Kind nicht mehr so gut in die Freundesgruppe ein oder mobben es gar.